Rettung einer 323i Limo (oder wie ich ....)

  • .... mich schon wieder in eine endlose Abenteuer-Story reingeritten habe. Nach dem Motto, dass doch nur ein Vollpfosten 2 mal auf die Harke treten kann.


    Naja. Habe lange gezögert, ob ich nun eine Fotostory anlege oder es lieber sein lasse, da ich eh ständig vergesse, beim Arbeiten Fotos zu schießen, weil mal wieder unter Zeitdruck schnell-schnell was fertig werden sollte. Aber da dachte ich mir, vielleicht ist die Fotostory dann ja die richtige Motivation eine Art Doku zu erstellen.


    Kurze Vorgeschichte:

    Bin 10 Jahre lang einen E46 318i gefahren. Dann hatte ich eine missglückte Wiederbelebung eines E91 320d durchgemacht (habe den nach Runaway mit Motorschaden gekauft, um einen AT Motor zu verbauen, was für eine glorreiche Idee:sick:). Nach einem halben Jahr an intellektuellem Sex (Hirngef....e) mit dem AT Motor, der Turbine, KGE, lalablabla habe ich verstanden, dass a) Diesel und b) Turbomotor eh nicht meins sind. Also an die Libanesen für Appel und ein Ei abgestoßen. Was für eine Erleichterung :saint:. Dann 3 Monate nach einer neuen alten Liebe gesucht: E39 Limo :S. Den holte ich mir dann (nach 3 leeren Fahrten quer durch Deutschland mit Bahn und Flixbus, apropos - Bielefeld existiert nicht!) aus Köln. Eine 530i Limo in Titansilber. Dann folgten 3 Jahre an Reparaturen und Verfeuerung von Geld, als ob es kein morgen gäbe. Ich wollte die Kiste in Neuzustand versetzen :D. An Naivität nicht zu überbieten. ABER, dieses Auto fahre ich immer noch tag-täglich und liebe es auch sehr. Nur was mir nach meinem E46 318i fehlte, war die "Leichtigkeit" in den Kurven. Querdynamik. Der leichte 318i war, wie ein Go-kart. Der 5er ist mit 231PS in Beschleunigung natürlich deutlich besser, aber er ist auch bequemer und schwerer. Nix Kurvenräuber. Also habe ich mich entschieden, einen E36 zu kaufen. Warum auch nicht, dachte ich mir. Dachte??? Heute weiß ich, dass ich gar nicht denken kann 8).


    Habe dann aber nur noch in Berlin und Umgebung gesucht. Und dann stand er um die Ecke in Reinickendorf. Schon auf den Fotos sah ich: Mamma-Mia, watt für ne Bastelbude:huh:. Aber gut, geh in der Pause rüber und schaue ihn dir an. Gesagt - getan. Und da stand die Kiste da, traurig und am Ende ihrer Lebensfreude. Und der junge Besitzer / Verkäufer. Ungelogen, habe noch NIE in einer Person aller Vorurteile und Klischees vereint gesehen. Naja, lange Rede - gar kein Sinn: Vernunft ist nicht meine Stärke, ich habe es gekauft.

  • Das war Februar 2020. Dann stand der Wagen 3 Monate lang, bis ich in meiner WS, wo ich mich eingenistet habe, einen Stellplatz bekam. Habe dann angefangen, die Kiste auseinander zu nehmen. Fazit:

    - Beide Schwellerseiten an den WHA durch

    - Im Kofferraum Im Batteriekasten Löcher

    - Im Kofferraum Fahrerseite um die Bolzen für ESD Aufhängung ebenfalls komplett durch

    - Radkasten Vorne Fahrerseite um die Steckhülse für Radschalenschraube - durch

    - Radkasten Vorne Beifahrerseite auch Rost, aber noch nicht durch

    - Kotis Schrott, Tür Beifahrer Schrott

    - ............


    Im Prinzip egal, wo man hinguckt - Schrott 8).

    Also Flex, Schweißgerät und viiiieeel Zeit und Geduld. Stück für Stück. Leider habe ich vom letzten Jahr kaum Fotos gemacht. Ich werde morgen einfach die fertigen Stellen fotographieren.


    Jedefalls endete die 2020 Saison (mit Oktober-Wetter, die Kiste steht ja draußen) mit folgendem Ergebnis:

    - Kofferraum fertig, innen und außen,

    - Radkasten Fahrerseite fertig

    - Schweller Fahrerseite fertig


    Mehr war nicht drin


    Diese Saison habe ich Anfang April eröffnet. Die Fotos kommen nun morgen / übermorgen

  • Moin,


    warum macht man sowas ??? Weil man's kann...der übliche Spruch...;)


    Ich hätte mir das nicht angetan, finde das aber immer super, wenn einer den E36 nicht als Wegwerf-Auto betrachtet.

    Mechanik bekommt man (fast) immer in den Griff, aber der ganze Rost...ui...von den Kosten für einen einigermaßen vernünftigen Lackierer mal abgesehen.

    Mein letzter Richtwert fürs Lackieren waren ca 250EU komplett pro Karrosserieteil, wenn mehr, dann Mengenrabatt...spotten ab 100EU aufwärts.


    Die Nummer mit dem 320d zeigt, daß es heute nicht mehr so einfach ist...wie die ganzen Exporteure die Kisten am Laufen halten ist mir schlichtweg rätselhaft. Wer programmiert da ??? Was machen die mit der ganzen Elektronik ??? Keine Ahnung...


    Und zum E39: fahre ich seit 2003, verschiedene Modelle, 520i, 523i, seit vier Jahren 530iT...ja, ist schwer und nein, nicht der Dynamischste...aber ein noch "relativ" leicht zu reparierendes Langstreckenauto. Meiner hat 310000 drauf, bekommt alle 15000 einen Service und bleibt...

    Problem wird immer mehr, gute Ersatzteile zu bekommen...Bsp erster NW-Sensor hält 18 Jahre, zweiter 6 Monate, aktueller 9 Monate...das ist ärgerlich.

    Ein Leben ohne E39...gibt es, kenn' ich aber nicht...


    In dem Sinne: gutes Gelingen :thumbup::thumbup::thumbup:

  • Moin,


    warum macht man sowas ??? Weil man's kann...der übliche Spruch..

    Nicht in meinem Fall :S:S:S


    Zitat
    wie die ganzen Exporteure die Kisten am Laufen halten ist mir schlichtweg rätselhaft.

    Gar nicht. Habe mich mit dem Mann damals lange unterhalten, weil ich ihn nach dem Kauf samt Auto zum Sammelplatz gefahren habe (sein Abschlepper kam nicht). Er meinte, dass er die Zeiten, wo er die Autos aufbereitet und auf Vordermann gebracht hat, bevor er die weiter verkaufte, hinter sich hat. War ein Nullgeschäft. Jetzt einfach kaufen und für +200 / 300,- gleich weiter zur Ausfuhr. Solche Autos kommen auch nicht nach Afrika, Dafür sind die zu kompliziert. Sondern nach Osteuropa. Und da gibt es genug Leute, die programmieren und reparieren können. Da fahren dann unsere Euro4 Diesel noch jahrelang weiter :P. So viel zur Umwelt und schönen grünen Welt.

    Beim E39 war mein Fehler, dass ich jede Macke weg haben wollte. Und das hat mich viiiel Geld und Zeit gekostet. Und die Macken sind immer noch da :love:. Hätte ich ihn einfach so akzeptiert, solange er gut fährt, würde die Rechnung auf ein drittel schrumpfen.

    Bin schon sehr auf die weiteren Bilder gespannt

    Heute Abend geht es weiter.

  • Soooo, aus "heute Abend" wurde, wie immer, heute Abend :P. Meine Fresse, ich hasse es langsam über Kopf unter dem Auto zu schweißen. Der rechte Schweller ist nun drin. Die Fotos dazu gibt es aber nächszes mal.


    Heute ein Paar Fotos von den schon gemachten Sachen.


    Hier der linke Schweller:



    Da ich die gedrehten M Schweller montieren will, habe ich mich nicht an das Original gehalten, was die Struktur des Unterbodenschutzes angeht. Habe den nur im unteren Bereich aufgetragen. Muß alles noch lackiert werden. Mache ich dann in einem Rutsch mit den Türöffnungen.


    Bezüglich M-Schweller kamen heute auch die ersten Probleme. Die Schweller, die am Auto dran waren, sind von DM. Und die passen nicht so richtig von der Höhe her. Ich muß die schon heftig nach oben drücken, damit ich mit der Kante im Bereich des Türspaltes liege. Das wird so nicht halten. Das kann auch an den angeschweißten Schwellerblechen liegen. Deren Qualität stamm definitiv vom Wort Qual. Aber unten an den Karosserieblechen lag alles an :rolleyes:.


    Wenn einer hier die gedrehten DM Schweller hat und kennt: haben die anstandslos gepasst?


    Na gut, weiter gehts - Kofferraum: entrostet innen und außen, grundiert (2K Epoxy) und lackiert (innen) bzw Unterbodenschutz aufgetragen (außen). Benutze schon seit einer Weile die spritzbare Nahtabdichtung auf MS Polymer Basis. Die kommt mMn dem Original am Nächsten, nicht die Kautschuk Pampe.



    Und hier das Versteifungsblech für Auspuffaufhängung. Der Spender war an der Stelle ganz, wo der doch sonst überall schon durch war;).

    Nach außen hin genietet, wo das Schweißen nicht ging


    Ok, denke für heute reichts. Morgen, wenn ich dazu komme, verschleife ich alle Schweißpunkte und Nähte am rechten Schweller, grundiere das ganze und fange an mit der Fotodoku zu dem Schweller

  • Guten Abend,

    heute fange ich die "Serie" Schweller an.


    Wir machen "heute" die Schweller auf und gucken sich das Innere an. Vorerst sei gesagt; von außen sah das ganze gar nicht so dramatisch aus ^^. Ein Paar Durchrostungen um die Wagenheberaufnahmen, etwas Oberflächenrost. Jeder, der denkt, da reicht ein kleines Reparaturblech nur in dem Bereich, schnappt euch eine Endoskopkamera, macht die Einstiegsleisten ab und guckt euch die Konstruktionsbleche der Wagenheberaufnahmen, die Versteifungsbleche, die B-Säule von innen an 8)8)8). Da ich schon von der linken Seite wußte, was mich erwartet. Habe ich gar nicht gezögert und den gesamten Schweller aufgemacht.


    Tadaaaaa! Vordere Aufnahme - komplett durch


    B-Säulenversteifung: ebenfalls weg. Das Blech außen war ganz :P


    Versteifung hinter der B-Säule:


    Hinterer Bereich


    Hintere Aufnahme auch schon löcherig


    Fazit:

    ich wußte also doch nicht, was mich erwartet :whistling:. Denn die linke Seite war ein Kinderspiel dagegen. Da mußte ich nur die vordere Aufnahme rekonstruieren. Rest konnte noch gerettet werde. Hier, rechts, war alles durch.

    In der morgigen Serie "werden" wir amputieren, entrosten, retten, was noch zu retten ist :saint:

  • Guten Abend,

    nun amputieren wir alles, was schon tot ist. Hier die WHA-Bleche: Flexen, schrubben, sandstrahlen, dremeln was das Zeug hält. Alter, was das an Zeit kostet :(:(:(


    Dann ..... tja, die Bilder habe ich verbummelt :S. Also alles geschliffen, gekratzt, geschrubbt, sandgestrahlt. Beste Freunde: Flex mit CSD Lila Scheiben, Fächerscheiben, Topfbürste (für grobe Arbeit), Sandstrahlpistole von KSD + Hochofenschlacke


    ACHTUNG: An alle Geiz-ist-Geil Freunde (seid gegrüßt, Brüder!!!8)). Ne, der Quarzsand aus dem Baumarkt für 4,- / 25kg Sack ist nicht gespartes Geld! Habe ich lange so getan - Silikose hin oder her. Nachdem ich nun die billigste Schlacke aus dem Netz habe, die aber mit Versand immer noch mind. das 3fache kostet, kann ich aus eigener Erfahrung sagen - nie wieder freiwillig Quarzsand. Mit Schlacke geht es deutlich schneller und auch deutlich sauberer in den Poren. Die ist einfach feiner. Vom Gesundheitsaspekt mal ganz abzusehen.


    Aber gut, Predigt zu Ende, weiter gehts. Balkenschuhe aus dem Baumarkt + Lochbleche, die rumlagen, umgebastelt zu der ultimativen Konstruktionshochleistung für WHA:


    Auch wenn man es auf dem Foto schlecht erkennt, die Balkenschuhe sind "3D". Der Obere Teil stützt sich oben am Rohr ab. Das beidseitig reingeschweißt. Hier noch die alten Bilder von der linken Seite, wo man es besser erkennt:


    Und ja, die Schweißpunkte / Nähte sind hesslich, wurden aber bewußt nicht verschliffen! Wozu ja auch, sieht später keiner. Und ZEIT ist Gold!


    Dann die Versteifungsbleche angefertigt (Oben sieht man übrigens die Einsätze für WHA Rekonstruktion):


    Reingebraten:


    Und hier noch der hintere Bereich:


    So, Schluß für heute.

    Bis demnächst

  • Habe in der Werkstatt ein normales Mig/Mag. Habe auch lange überlegt, ob ich mir ein günstiges WIG anschaffe. Aber da habe ich viel gelesen, dass die WIG sehr empfindlich zu Verunreinigungen sind. Und beim Schweißen an der Karosserie hast Du IMMER "Verunreinigungen". Grundierung, Schweißprimer, alte Lacke auf den Innenseiten...

    Außerdem muß man recht oft mit einer Hand punkten und mit der anderen das Blech gegendrücken. Wenn man das mit WIG machen muß, dann eben ohne Zusatzdraht. Und da wäre wohl der Punkt zu schwach oder würde schnell durchbrennen. WIG könnte ich mir wirklich toll vorstellen, wenn Du saubere Bleche hast und ein Element irgendwo am Tisch bequem auf Stoß verschweißt. Also in der täglichen Restauration. Aber in meinem Fall mal schnell Schweller reinbraten, ist MIG/MAG schon ok.

  • So, weiter gehts :)

    "Heute" bereiten wir das Schwellerblech vor und braten es rein.

    Ausgeschnitten, abgesetzt, alle Löcher vorbereitet, Abläufe erstellt und dann grundiert:


    Und wenn wir schon dabei sind, grundieren wir auch gleich die Felge vom 5er. Sommer ist längst da, aber die Sommerfelgen fehlen immer noch, weil jemand nicht aus dem Arsch kommt ||


    OuKaj, am Auto ist auch alles bereit. Simsalabim:


    Warum mal Punkte mit Überlappung (abgesetzt nach innen), mal auf Stoß??? Na weil ich voll das Genie bin 8) . Scherz. An solchen Stellen, wie um die WHA Rohre kann man nicht überlappend schweißen, da ist kein Platz. Gleichzeitig die gesamte Länge auf Stoß zu schweißen? Ja, könnte man, aber TÜV sagt: tragende Bleche nur Punktschweißen. Er wird es zwar nicht sehen, aber irgendeinen Grund hat es ja gegeben, warum man Punktschweißen soll (den offiziellen kenne ich ;) ). Warum die Kante nach innen abgesetzt? Ist nämlich ziemlich unbequem zum Ranziehen des Blechschwellers an die Karosse (Passform des Ersatzbleches eine Katastrophe :sick::sick::sick:;( ). Habe mir sogar 3 "Zughaken" rangeschweißt. Wozu der Aufwand?


    Der Gedanke dahinter:

    Beim Schweißen brennt alles weg, was nah an der Schweißstelle ist, egal ob Grundierung oder Schweißprimer. Zwischen den Blechen und auch die Rückseite des Schweißpunktes. So abgesetzt ist die Kante dann innen nach oben "offen". Wenn dann später mit FF Liquid A geflutet wird, läuft dieser die Wände runter und in den Spalt hinein. Hätte ich das Karoblech abgesetzt, würde die Kante / der Spalt nach unten gucken --> kein FF drin, trocken --> Rost? Soweit die Theorie. Praxis wird es in ein Paar Jahren zeigen =O .


    Und nun brauche ich Eure Hilfe:

    durch die absolut beschissene Passform des Ersatzschwellers mußte ich ziehen und drücken, um unter dem Auto die Kanten aufeinander zu kriegen. Was ich dabei übersah, dass mir das Spaltmaß zw. Türen und Schweller flöten ging. Auch wenn es auf den Fotos gerade aussieht, ist es das nicht. In der Mitte ist der Spalt jetzt um die 2mm größer, als zu dem Enden (Vorderkante Fronttür, Ende hintere Tür).

    Kann einer, der einen gesunden E36 hat, für mich mal das Spaltmaß nachmessen. Sagen wir mal je 4 Punkte pro Tür? Also 8 Messstellen? Dafür braucht ihr nur etwas, was ihr in den Spalt passend schiebt. Ich habe heute einen 14er Gabelschlüssel genommen. Die Gabel ist in der Dicke leich konisch. Reingesteckt, bis er leicht klemmt, markiert wie tief (Stück Tape an die Gabel) und dann kann man ja mit Schieber nachmessen.

    Ihr würdet mir damit sehr helfen. Denn jetzt muß ich entscheiden, ob und wenn ja, wie ich das am Besten ausgleiche.

  • na jutt,

    "heute" wird geschliffen, grundiert, gespachtelt, wieder geschliffen und wieder grundiert


    Hier noch eine mega geniale Idee von mir ;( . Nieten im vorderen Bereich.


    Warum? Hier mündet der Ablauf des Schiebedachs in den Schweller --> Wasser. Wenn man hier aber schweißt, hat man hier nacktes Metall. Auf der linken Seite habe ich geschweißt. Und da werde ich regelmäßig kontrollieren müssen, ob FF noch intakt die abgebrannten Stellen schützt (Endoskop). Hier, rechts, habe ich bis zu den Wasserabläufen (einer ab Werk und einer zusätzlich von mir) genietet und erst ab da geschweißt.


    Nach X-trillionen dünnen Spachtelgängen ohne Zwischenschliff (max. 5-10 min dazwischen)


    Dann erster Schliff:


    Und nochmal grundiert, damit das nackte Metall nicht übers WE offen steht und auch der finale Spachtelgang nicht aufs nackte Metall stattfindet.

    Die Beifahrertür ist eh Schrott, wird also nicht abgedeckt :S


    und da mußte der 5er noch gewaschen werden. Wurde ja den ganzen Frühling nicht gewaschen :(


    Sooo, mal schauen, was ich diese Woche schaffen werde. Die wird recht anstrengend.